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Grafikprojekte in eigener Sache

Aktualisiert: 20. Okt 2019

Dieser Blog stellt aktuelle und ältere Grafikprojekte von Philipp Schiemann vor. Zuletzt wurde seine Bilderserie "Afrikas Geister" vom 30.06. bis zum 11.08.2019 in der Galerie Viering in Leipzig ausgestellt. Zur Intention der gezeigten Arbeiten steht am Ende der Bildstrecke ein Infotext.

Plakat für die Ausstellung "Afrikas Geister" von Philipp Schiemann

Veve zur Anrufung einer Vogelseele.

Graphische Symbole, die den Totengeist eines Raben repräsentieren, 2018. Analoge und digitale Mischtechnik auf Fujicolor Professional Paper. 42x58 cm ohne Rahmen. Einmalige Auflage 9 Stück. Rückseitig signiert und nummeriert.


Haitianische Pakete.

Ausschnitt eines haitianischen Vodou-Altars für Baron Samedi, Hüter der Friedhöfe und Herr der Totengeister, 2019. Analoge und digitale Mischtechnik auf Fujicolor Professional Paper. 30x20 cm ohne Rahmen. Einmalige Auflage 9 Stück. Rückseitig signiert und nummeriert.


Gräber der Chiefs II.

Nordghana, an der Grenze zu Burkina Faso, 2003/2019. Analoge und digitale Mischtechnik auf Fujicolor Professional Paper. 42x58 cm ohne Rahmen. Einmalige Auflage 9 Stück. Rückseitig signiert und nummeriert.


Altar für Mami Wata.

Schrein für die Wassergöttin Mami Wata und ihr Pantheon, 2004/2019. Analoge und digitale Mischtechnik auf Fujicolor Professional Paper. 40x30 cm ohne Rahmen. Einmalige Auflage 5 Stück. Rückseitig signiert und nummeriert.


Magische Flaschen.

Mit der Kraft diverser Gottheiten und Geister aufgeladene Flaschen vom Volk der Fon, Benin, 2019. Analoge und digitale Mischtechnik auf Fujicolor Professional Paper. 70x50 cm ohne Rahmen. Einmalige Auflage 5 Stück. Rückseitig signiert und nummeriert.


Putchu Guinadjis.

Drei berittene Krieger als Kraft- und Heilobjekte gegen Geisteskrankheiten, 2019. Analoge und digitale Mischtechnik auf Fujicolor Professional Paper. 30x20 cm ohne Rahmen. Einmalige Auflage 9 Stück. Rückseitig signiert und nummeriert.


Altar der Quimbanda.

Aktiver Altar der afrobrasilianischen Religion Quimbanda, 2019. Analoge und digitale Mischtechnik auf Fujicolor Professional Paper. 30x40 cm ohne Rahmen. Einmalige Auflage 9 Stück. Rückseitig signiert und nummeriert.


Gräber der Chiefs.

Nordghana, an der Grenze zu Burkina Faso, 2003/2019. Analoge und digitale Mischtechnik auf Fujicolor Professional Paper. 82x50 cm ohne Rahmen. Einmalige Auflage 5 Stück. Rückseitig signiert und nummeriert.


Baobab, nachts.

Ein Baobab in der nächtlichen Savanne Ghanas, 2003/2018. Analoge und digitale Mischtechnik auf Fujicolor Professional Paper. 30x20 cm ohne Rahmen. Einmalige Auflage 9 Stück. Rückseitig signiert und nummeriert.


Magische Schädelschale.

Diese Kalebassenschale vom Volk der Fon aus Benin enthält zahlreiche magische Potenzen, die nicht zweifelsfrei identifiziert werden können. Der eingebettete Schädel stammt von einem Menschen. Analoge und digitale Mischtechnik auf Fujicolor Professional Paper, 2019. 30x20 cm ohne Rahmen. Einmalige Auflage 9 Stück. Rückseitig signiert und nummeriert.


Nkisi.

Kraftobjekt des Volkes der Yombe aus dem Kongo, 2019. Analoge und digitale Mischtechnik auf Fujicolor Professional Paper. 30x40 cm ohne Rahmen. Einmalige Auflage 3 Stück. Rückseitig signiert und nummeriert.



Die Ausstellung Die dieser Ausstellung zugrunde liegenden Fotografien zeigen Kultobjekte, die aus den spirituellen und religiösen Welten Westafrikas, Haitis und Kubas stammen. Sie wurden sowohl in Westafrika als auch in Deutschland aufgenommen. Das Ziel des Künstlers war es, die Fotos mit einer Mischung aus analogen und digitalen Mitteln so lange zu bearbeiten, bis die den gezeigten Motiven innewohnende Magie sichtbar wird. Die Motivation

„Mein Wunsch war, den Imaginationen und Assoziationen Ausdruck zu verleihen, die ich in Gegenwart der so genannten afrikanischen Kunst – die ja eigentlich einem religiösen Kontext entnommen wurde – schon als Kind hatte. Ich wollte etwas von dem Geist, von dem innewohnenden Zauber dieser Gegenstände befreien und sichtbar machen. Dabei dachte ich sowohl an die Kräfte, die den Kultobjekten von den Gläubigen zugeschrieben werden, an ihre ureigene Ausstrahlung, aber vor allem auch an die Summe menschlicher Kraft und Projektion, die den Stücken im Zuge teils Jahrzehnte währender Verehrung schon zuteil wurde. Ich erlebe sie als Speicherorte, die im Mittelpunkt zahlloser ritueller Handlungen standen und über diese Vergangenheit in einem metaphysischen Sinne Zeugnis ablegen, sofern man sich als Spiegel, als Resonanzfläche zur Verfügung zu stellen bereit ist.“ Die Technik

Die Basis der gezeigten Arbeiten sind analog und digital aufgenommene Fotografien. Zum Einsatz kamen Kleinbildfilme und Mittelformatfilme, letzte in Verbindung mit einer Lochkamera. Die je nach angewandter Technik hochaufgelösten Scans bzw. digitalen Originale wurden mit diversen Bildbearbeitungsprogrammen aufwendig und vielschichtig bearbeitet. Im Zuge dieser Bearbeitung wurden auch Scans eigens zu diesem Zweck angefertigter Handzeichnungen integriert. Die Einbeziehung dieser weiteren analogen Elemente ermöglichte Effekte, die mit der digitalen Technik allein nicht zu erreichen waren. Die resultierenden Kompositionen sind das Ergebnis zahlloser einzelner Arbeitschritte, bei denen Ebenen, Schichtungen, Filter und Tonwertkorrekturen ebenso eine Rolle spielten wie Tusche, Feder, Bleistift und Aquarellpapier.


Allgemeine Erläuterungen zum besseren Verständnis der gezeigten Werke (Handout)

In den Glaubensvorstellungen afrikanischer Völker spielen Götter und Geister eine Hauptrolle. Meist existiert eine Schöpfergottheit, die jedoch als zu groß erachtet wird, als dass sie von den Menschen direkt angesprochen werden könnte. Dafür sind ihre Nachkommen bzw. rangniedrigere Götter zuständig. Die Beweise für deren Wirken finden sich indessen überall, in der Umwelt, im Alltag, im persönlichen Schicksal und besonders in der Flora und Fauna. Heil- und Giftpflanzen gelten als Träger spezifischer göttlicher Kräfte, deren Bedeutungen über die puren Wirkstoffgehalte der Pflanzen weit hinausgehen. Die Welt, in die man hineingeboren wird, ist beseelt und seit Urzeiten Schauplatz einer Fülle von Energien, die oft im Widerstreit miteinander liegen. Schon die Vorfahren sahen sich damit konfrontiert und fanden Lösungen für nahezu jede Herausforderung. Aus diesem Grund genießen die Ahnen in Afrika großen Respekt und gelten selbst als Geister, die angerufen und um Segen, Rat oder Beistand gebeten werden können. Durch ihre Verscheiden sind sie den Göttern näher, als es die Lebenden je sein könnten, und solange sich jemand ihrer erinnern kann, sind sie wichtige Instanzen in der spirituellen Welt. Ein weiteres, typisches Merkmal für die afrikanische Religion ist vielerorts die Fähigkeit, neue oder fremde Kräfte zu adaptieren und zu assimilieren. Man lebt nicht in einem statischen Universum, sondern alles ist im Fluss, auch die spirituelle Welt. Afrikas Götter und Geister passen sich den menschlichen Lebensbedingungen an und werden ihnen angepasst, die Menschen sind auf die Götter angewiesen und umgekehrt. Visionen, Trancen, Besessenheiten, Träume und die Ergebnisse von Orakelbefragungen sind die Schnittstellen, an denen die Kommunikation zwischen Mensch, Gott und Geistern stattfindet.

Heilung, Medizin und göttlicher Beistand Die Einbeziehung von Göttern, Geistwesen und Ahnen ist bei den Völkern Westafrikas völlig normal, wenn es um die Diagnose und Kurierung von Krankheiten geht. Da jedes Leiden neben der physischen und psychischen auch eine spirituelle Komponente hat, kommen bei der Behandlung materielle und immaterielle Kräfte gleichermaßen zum Einsatz. Die Inhaltsstoffe bestimmter Heilpflanzen beispielsweise wirken physisch auf den Organismus und werden gleichzeitig als Potenzen bestimmter Götter identifizert. Der Mensch wird als untrennbar verbunden mit der ihn umgebenden Welt und ihren Höheren Mächten wahrgenommen, und bei einer Heilung gehen rituelle, religiöse und medizinische Aspekte stets Hand in Hand. Das Wissen um diese Zusammenhänge wird streng geschützt und nur an Auserwählte weitergegeben. Es kommt auch bei Opfern von Schadenszauberei oder bei prophylaktischen Maßnahmen gegen Hexerei zum Einsatz. Schadenszauber, Hexerei und Magie So, wie beispielsweise die Wirkkraft von Heilpflanzen als Manifestation göttlicher Kräfte wahrgenommen wird, erlebt man bei vielen Völkern Westafrikas Unglücksfälle, Krankheiten und Pechsträhnen als Resultat eines Schadenszaubers. Es mag sein, dass der Stich einer Mücke die Malaria übertragen hat, aber viel wichtiger ist, herauszufinden, wer die Mücke geschickt hat. Diese Zusammenhänge, die sich jenseits der gewöhnlichen Wahrnehmung befinden, lassen sich mit Hilfe eines erfahrenen Heilers offenlegen. Ob dazu eine Orakelbefragung nötig ist oder auf anderem Wege eine Diagnose zustandekommt, ist zweitrangig, entscheidend ist, den oder die Verursacher des Leids zu identifizieren. Erst dann kann mit Hilfe eines Gegenzaubers, spezieller Medizin oder schützenden Ritualen eine nachhaltige Behandlung zustandekommen, die über die Bekämpfung von Symptomen hinausgeht und das Übel an der Wurzel packt. Vodun in Benin Das kleine westafrikanische Land Benin ist die Wiege des Vodun, der Religion, die im internationalen Volksmund besser als „Voodoo“ bekannt ist. Im Kern geht es um Schutz, Heilung und Verteidigung des Menschen, der sich von einem gewaltigen Götterpantheon, den Vodun, umgeben sieht. Umfangreiche Geheimnisse über Heilpflanzen und deren Zubereitung sind hier untrennbar mit einer Weltsicht verbunden, in der jeder Mensch Teil eines magischen, spirituell bedeutsamen Ganzen ist. Der Begriff „Voodoo“ hat sich im Volksmund weltweit etabliert, stellt jedoch eine grobe und laienhafte Verallgemeinerung für miteinander verwandte, aber in vielen Punkten sehr unterschiedliche Religionsformen dar: Vodun in Benin, Vodou in Haiti, Santería auf Kuba, Candomblé in Brasilien und so weiter. Flaschen als Objekte der Kraft Im westafrikanischen Benin werden Flaschen für Zaubereien aller Art verwendet. Man findet diese sehr unterschiedlich ausstaffierten Objekte sowohl in Heilungs- und Schutzzeremonien als auch in der Schadensmagie. Oft sind sie mit Sodabi, einem Palmschnaps gefüllt, der im Zuge der Flaschenbearbeitung mit geheimen Ingredienzien gemischt wurde und seine magische Wirkung nach dem Genuss genau festgelegter Dosierungen entfaltet. Es können aber auch andere Inhalte zum Einsatz kommen, und die äußerlich applizierten Medizinen tun ein Übriges. An manchen Flaschen sind tierische Teile befestigt, an anderen Wurzeln und pflanzliche Mixturen und manchmal sind es auch Menschenknochen oder kleine Bocios. Diese willkürlich gewählt scheinenden Zutaten sind Bestandteile teils Jahrhunderte alter Rezepturen, die der traditionelle Medizinmann im Zuge einer langwierigen Ausbildung seinerseits von den Vorfahren übernommen hat. Mami Wata In Afrika ist „Mami Wata“ (Mutter Wasser) längst zu einem Schlüsselbegriff geworden, der in mindestens 14 Ländern bekannt ist und streng genommen unzählige regional verehrte Wassergottheiten und -geister bezeichnet. Im Vordergrund steht dennoch meist die verführerische Figur der Nixe, der attraktiven Frau aus dem Zwischenreich, deren Gunst, genau wie das Wasser, ständig wechselt und in Bewegung ist. Mancherorts, wie beispielsweise in Kamerun, ist Mami Wata als Hexe gefürchtet. In Benin und Togo glaubt man dagegen häufig, Mami Wata könne den individuellen Wohlstand vergrößern, wenn man ihr dafür nur treu bleibt und sie allein verehrt. Freilich hat dies seinen Preis: Mami Wata erwartet von ihren Anhängern neben der Treue auch ausgesuchte Opfergaben, genau so, wie sie einer modernen Frau mit Anspruch gefallen könnten: Parfüm, Seifen und Süßigkeiten sind auf den ihr geweihten Altären keine Seltenheit. Putchu Guinadji Ein traditionelles Mittel gegen Wahnsinn sind beim muslimischen Kotoko-Volk in Kamerun und Tschad die Putchu Guinadji („Putchu“ = Pferd und „Guinadji“ = Dämon). Diese Miniaturen, die von islamischen Fundamentalisten verboten werden, gießt oder schmiedet man aus Bronze, Silber, Kupfer oder Messing. Sie stellen ein Pferd mit Reiter dar und halten die Geister, von denen der Wahnsinnige besessen ist, in Schach, wenn man sie täglich trägt. Nur noch sehr wenige Marabuts (islamische Heiler) haben die erforderlichen Kompetenzen, um einen potenten Putchu Guinadji in Zusammenarbeit mit dem Bronzegießer herzustellen. Der 15 Tage währende Prozess beinhaltet die Anfertigung der Figuren, Kochvorgänge mit geheimen Heilkräutern und ein Blutopfer. Bei sehr kranken Klienten werden die Talismane mit Lederapplikationen und speziellen Füllungen verstärkt. Diese bewährte Behandlungsmethode wird immer seltener. Afrikas Geister in der Diaspora Beim Blick auf die Bandbreite der religiösen Äußerungen verschwimmen für den Betrachter hier schnell die Grenzen. Es fällt ihm schwer, einzuordnen, was er da sieht. Ein Schlüssel zum Verständnis ist das Wissen um die Eigenart der synkretistischen Religionen, Fremdeinflüsse zu adaptieren. Die Manifestation dieser Verschmelzungen bezieht auch physisch alles mit ein, was der Sache dient oder das Budget erlaubt. So kann die Kitschfigur einer Meerjungfrau oder Avedons Bildnis der Kinski mit Python ebenso zum Altar für die Meeresgöttin werden, wie etwa der weiße Seidenstoff und das hellblaue Porzellan. Ob Vodou, Santería, Candomblé, Quimbanda oder Palo – je nach Religion und magischer Absicht kommt alles Verfügbare zum Einsatz. Die Quellen sind überall: Supermarkt, Flora, Fauna, manchmal auch Friedhof. Die Kreativität, die hier in der Religion frei wird, zeugt von einer ungeheuren Vitalität. Vodou in Haiti Der haitianische Vodou lässt sich grob in die Richtungen Rada und Petro unterteilen. Die Radaseite hat mehr westafrikanische Einflüsse und gilt als sanfter, wohingegen sich im Petro eher heißblütige Kräfte zentralafrikanischer Herkunft finden. Es gibt mit Bondye (kreolisch „Guter Gott“) eine Schöpfergottheit, deren gewaltige Dimension einen direkten Kontakt durch die Menschen nicht zulässt. Für diesen stehen die Loas zur Verfügung, göttliche Geistwesen, die oft Entsprechungen bei den katholischen Schutzheiligen haben. Quimbanda in Brasilien Die afrobrasilianische Religion Quimbanda spielt im Untergrund der brasilianischen Großstädte eine Hauptrolle. Die hier verehrten Gottheiten heißen Exus (maskulin) und Pomba giras (feminin). Man sagt, diese Gottheiten haben hohe moralische Ansprüche an ihre Gläubiger, helfen ihnen dafür aber zuverlässig in schwierigen Lebenslagen. Ob es Glück in der Liebe, Wohlstand oder gesundheitliche Hilfe sein soll, den Göttern werden regelmäßig Opfer dargebracht. Meist handelt es sich um Schnaps, Parfüm, Blumen, Tabak oder Speisegaben. Als Location stehen nächtliche Wegkreuzungen hoch im Kurs. Die Bittsteller stammen aus allen Gesellschaftschichten.



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